Glasreinigung im kalten März 2013

Die Kunden warten darauf, endlich Ihre Fenster gereinigt zu bekommen!

Anfang März schien die Sonne das erste Mal nach diesem langen grauen Winter kräftig durch die schmutzigen Scheiben. Man spürte schon einen Hauch von Frühling. Besonders Schnelle packten schon den Wintermantel weg und dachten, das war’s. Für mich Grund genug, unsere Kunden anzuschreiben und sie auf eine rechtzeitige Terminabsprache für die Glasreinigung und Fensterreinigung vor Ostern hinzuweisen.

Und die Anrufe ließen nicht lange auf sich warten. So plante ich die nächsten Tage voll aus. Und die Mitarbeiter waren froh, dass Sie nach langer Durststrecke endlich wieder Ihrer Glasreinigung nachgehen konnten.

Doch, Sie wissen es, es kam alles ganz anders: Der Kälteeinbruch kam mit Macht. Arbeiten war nicht möglich. Immer wieder guckten wir auf die Wettervorhersage, aber es änderte sich nicht wirklich etwas. Allein der Auftragsstapel wurde höher und höher. Nun ist in drei Tagen Ostern, der Schnee liegt zum Teil noch, die Temperaturen gehen nachts auf Minus 4 Grad herunter und steigen am Tage nur wenig über Null Grad an – also keine guten Aussichten für den Fensterputzer.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt! Es muss ja irgendwann wärmer werden. Allerdings wollen dann alle Kunden Ihre Glasreinigung möglichst sofort und das geht auch wieder nicht. Also cool bleiben und die Dinge auf uns zukommen lassen.

Diese Ostern suchen wir die Ostereier im Schnee und gucken aus dem warmen Wohnzimmer durch schmutzige Scheiben nach draußen und sehnen die Sonnenstrahlen herbei.

Karfreitag, 29.04.10:04 Uhr = es schneit, Null Grad

Karl Wachenfeld

Kann man Glasreinigungsauftraege durch oeffentliche Ausschreibungen bekommen?

Wir sind ein kleiner spezialisierter Glasreinigungsbetrieb und finden unsere Kunden im privaten und gewerblichen Bereich. Großkunden über 5.000 m² Fensterfläche sind nur wenige dabei. Das hat den Vorteil, dass wir mit dem Kunden die Leistung individuell und sinnvoll abstimmen können und das Zahlungsrisiko gestreut und somit geringer ist.

Doch immer wieder lockt es mich unser im kleineren gewonnenes und genutztes breites Know-how auch im größeren Rahmen einzusetzen. So sehe ich mir regelmäßig die öffentlichen Ausschreibungen von Reinigungsleistungen hier in Berlin an. Meistens scheitern die weiteren Schritte daran, dass die regelmäßige Unterhaltsreinigung und die Glasreinigung zwar in unterschiedlichen Losen ausgeschrieben werden, aber die Teilnahmebedingungen sich auf die Gesamtausschreibung beziehen und somit von uns keine vergleichbaren Objekte als Referenz benannt werden können. Auch sprengt die gewünschte Versicherungssumme meist absolut die für die Glasreinigung passenden Höhen.

Vor Kurzem hatte ich dann doch mal eine Ausschreibung angefordert. Die Eckdaten hörten sich interessant an: Kompliziertere Glasfassaden, die wir mit unserem Stangensystem oder als Kombi Hebebühne/Stange/entionisiertes Wasser hätten kostengünstig und gut anbieten können. Doch als ich mir die Unterlagen ausdrucken wollte und bei der 25. Seite noch kein Ende in Sicht war, habe ich mein Vorhaben abrupt abgebrochen. Viele Daten und Unterschriften schaffen nach meiner Meinung nicht unbedingt immer die Leistung, die sich der Kunde wünscht. Ganz zu schweigen von den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit.

Also wieder zurück zu dem, was den Erfolg unseres Unternehmens ausmacht: Kontakt mit dem Kunden, genaue Absprache über die zu erbringende Leistung und  Leistungs- und Qualitätsbereitschaft aller Beteiligten im Prozess. Sollen sich doch die Großen um die öffentlichen Aufträge streiten….

Um die oben gestellte Frage nochmals aus meiner Sicht klar zu beantworten: kleine und mittlere Reinigungsbetriebe und spezialisierte Glasreinigungsbetriebe haben bei dem aktuellen Ausschreibungssystem nicht wirklich eine Chance an den Kuchen heranzukommen. Oft fallen ja zu einem späteren Zeitpunkt ein paar Krümeln vom Tisch des Generalunternehmer herunter – aber eine echte Perspektive ist das doch auch nicht für uns.

Viele Grüße aus Berlin von Karl Wachenfeld

Die weltweit bekanntesten Hersteller von Glasreinigungsprodukten

 

Firma Webseite Produktfarbe Herkunftsland
Ettore www.ettore.com schwarz USA
Lewi www.lewi.de blau Deutschland
Pulex www.pulex.it rot Italien
Sörbo www.sorboproducts.com schwarz Dänemark
Unger www.ungerglobal.com grün/blau USA/Deutschland
Vermog www.vermop.de gelb Deutschland
Wagtail www.wagtail.com.au silbern-blau Australien

Glasreinigung: Ein wirklich schwieriger Kunde!

Ich muss sagen, dass dieses Beispiel für uns die absolute Ausnahme darstellt. Ich hoffe
meine Kollegen hier in Berlin werden in Zukunft von diesem Kunden verschont.

Ausgangsbasis: Leipziger Straße, große Glasflächen im Erdgeschoss und im 2. Obergeschoss, Eingangsbereich auf drei Etagen verglast. Stark verschmutzt, teilweise Bauglasreinigung, Reinigung außen mit Stangeneinsatz und entionisiertem Wasser, ca. 120 Arbeitsstunden.

Da hoher Besuch erwartet wurde, wollte der Kunde den Auftrag schnell vergeben und die Reinigung sollte gleich durchgeführt werden. Aufgrund der engen Terminlage konnte zunächst nur die Hälfte der Arbeiten durchgeführt werden. Somit stellte ich eine Zwischenrechnung, die zunächst nicht bezahlt wurde. Da der Kunde hier scheinbar Zeit hat, sah ich es auch nicht als zwingend an, die Arbeit mit Hochdruck fortzuführen. Inzwischen gab es einen regen Schriftverkehr, wobei Reklamationen nicht zweitnah sondern zum Teil nach Wochen erfolgten. Wir hatten den Eindruck, dass aus einer Einmalbeauftragung eine permanente Reinigung gemacht wurde. Verzögerungen ergaben sich, da die Überweisung zurückgekommen sein sollte und der Ansprechpartner im Urlaub und somit nicht erreichbar war.

Nachdem eine nochmalige Besichtigung erfolgt war und man sich über diverse Nacharbeiten geeinigt hatte wurde ein neuer Durchführungstermin für die Nacharbeiten und die offenen Arbeiten vereinbart und unsererseits aufgrund der Zusage der Überweisung einer zweiten Teilzahlung durchgeführt. Aber auch hier mussten wir wieder viel Geduld zeigen. Auch die Mahnung hatte keine Wirkung. Nach wiederum vielen Email und großem Lamenti erfolgt die zweite Teilzahlung.

Der ganze Vorgang zog sich nun schon ca. drei Monate hin und ich sah keine Möglichkeit, die Kuh vom Eis zu holen. So holte ich mir bei einem Rechtsanwalt Rat, der mit mitteilte, dass ich aufgrund des Vertrags und der gesetzlichen Regelungen die Leistung komplett zu erbringen habe. Lieber hätte ich an dieser Stelle auf die Restzahlung verzichtet und das bittere Kapitel endgültig abgeschlossen. Aber dann hatte mein spezieller Kunde die Leistung von einem anderen Unternehmen auf meine Kosten durchführen können, und da hätte ich wahrscheinlich noch mehr bluten müssen.

Also musste ein neuer Versuch her: Der Kunde zeigte sich gesprächsbereit. Nochmals machten wir eine Komplettbesichtigung und wiederum fand er – nun nach ca. fünf Monaten – Schmutz auf Fenstern. Den Hinweis, dass dies Neuverschmutzungen sind, wollte er nicht akzeptieren. Mit großer Beharrlichkeit meinerseits definieren wir die noch durchzuführenden Arbeiten, die sich aufgrund der kalten Witterung nur auf die Reinigungsarbeiten innen beschränkten. Diese Festlegung bestätigte ich schriftlich und legte gleichzeitig fest, dass der für die noch nicht bezahlten Leistungen offene Betrag umgehend – eine Woche nach Durchführung – vom Kunden bezahlt wird. Der Kunde bestätigte meine Mail und damit auch die Zustimmung der Zahlung. Wir führten die Arbeiten vereinbarungsgemäß durch. Die Rechnung kam mal wieder nicht an. Die Mahnung mit Fristsetzung und Androhung des gerichtlichen Mahnverfahrens zeigte keine Wirkung. Als ich die Angelegenheit dem Rechtsanwalt übergeben wollte, kam fünf Tage nach der gesetzten Frist ein Teilbetrag (ca. Eindrittel der Gesamtsumme) auf unserem Konto an. Eine unendliche Geschichte….

Was habe ich daraus gelernt?

  • Neukunden kritisch betrachten, vielleicht sich einen Vorschuss bezahlen lassen, Vorkasse abfordern.
  • Die eigenen Allgemeinen Gesetzesbestimmungen (AGBs) überarbeiten und im Angebot hierauf hinzuweisen.
  • Die Leistung genau zu definieren – Unterscheidung Turnusreinigung, Grundreinigung, Aufarbeitung, usw.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie kann man solche idiotischen, teueren und kraftraubenden Auseinandersetzungen verhindern?

Tarifverhandlungen in der Gebäudereinigung: Chance oder Frust?

Die in den Foren geäußerten Meinungen sind sehr vielfältig:

„..vielleicht kommt ja etwas in Bewegung?“
„…abgeschlossene Tarifverträge werden ja sowieso in der Praxis unterlaufen.“
„…für mich als Glasreiniger ist es in den letzten 30 Jahren immer schlechter geworden.“

Aus meiner Sicht kann die Tarifvereinbarung Ungerechtigkeiten und Perspektivlosigkeit nicht wirklich lösen. Die Branche hat Probleme, die tiefer sitzen und weder von der Innung noch von der Gewerkschaft – unseren beiden Vertragspartnern – angegangen werden.

Ein paar Beobachtungen, die ich in den vielen Jahre gemacht habe:

In Berlin werden jährlich 180 Gebäudereiniger ausgebildet. Ist das Fachkräftemangel? Doch wo bleiben die Junggesellen? Sie werden zum großen Teil vom Ausbildungs-betrieb entlassen, finden keinen Job in der Glasreinigung und wollen verständlicher-weise keinen Teilzeitvertrag in der  Unterhaltsreinigung annehmen. Da die Branche ihnen keine Perspektive bietet, satteln sie um oder schlagen sich als 1-Mann-Glasreinigerbetrieb durch.

Große Firmen stellen viele Azubis ein und ernten dafür Lob von allen Seiten. Doch viele Azubis werden gezielt und intensiv in der Glasreinigung eingesetzt, wodurch aus meiner Sicht die Tarife unterwandert werden. Ist die Ausbildung abgeschossen werden die neuen Billigkräfte = Azubis eingestellt. Dieser Vorgang steht dann nicht mehr in der Zeitung. Eine Statistik hierüber gibt es nicht.

Finanziell interessant für die Gesellen ist in der Gebäudereinigung eigentlich nur die Arbeit in der Glasreinigung. Doch meist werden nur 1-Jahres-Verträge abgeschlossen oder die Kündigung erfolgt kurz vor Weihnachten. Neuer Arbeitsvertrag beim neuen Arbeitgeber im März; das geht so lange, bis man zu alt für den Markt ist. Und dann?

Auch ich arbeite mit Subunternehmern. Doch das System wird nicht selten genutzt, um Tarife zu unterwandern! Generalunternehmer geben Aufträge mit 65% an Subs ab – und die freuen sich, dass Sie einen großen Auftrag annehmen. Eine genaue Nachkalkulation würde hier so manchem die Augen öffnen.

Lohnpauschalen sind nicht immer nur zum Vorteil der Mitarbeiter, auch hier wird der Tarif zum Teil ausgehebelt.  Klare Leistungsvorgabe, definiertes Zeitfenster – und was, wenn die Mitarbeiterin/der Mitarbeiter nicht fertig wird?

Als ungerecht empfinde ich die Ost-West-Tarifregelung. Dies spüren wir insbesondere in Berlin, wo die Firmen aus dem Speckgürtel mit ihren günstigeren Tarifen einfallen und entsprechend günstiger anbieten können. Klar, dass sie eigentlich den Westtarif bezahlen müssten….

Die Liste kann von vielen, die in der Branche sind und mit offenen Augen durch die Welt gehen, problemlos deutlich erweitert werden. Vertrauen auf die offiziellen Vertreter habe ich – ehrlich gesagt – nicht!

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen! Karl Wachenfeld