Gefahren in der Glasreinigung – Situationen (S) und Lösungen (L)

Nichtzahler in der Glasreinigung

S: Die Zahl der Nicht- oder Spätzahler nimmt zu. Zahlungsziele werden nicht eingehalten. Die Löhne müssen bezahlt werden.  L: Ich empfehle ein konsequentes Mahnsystem zu installieren. Keinesfalls weiterarbeiten, wenn nicht gezahlt worden ist. Denken Sie daran: Ihre Verpflichtung ist es eine gute Leistung zu erbringen, die des Auftraggebers ist es, seiner Zahlung nachzukommen!

In der Glasreinigung über den Winter kommen

S: In den Wintermonaten – manchmal einer, manchmal vier – ist wenig bis nichts zu tun. Sie verdienen entsprechend wenig. Aber auch hier brauchen Sie Geld: Restlöhne, Finanzamt, Fuhrpark, Mieter, usw. L: Das Geld, was Sie in den guten Monaten verdienten muss gebunkert werden, damit Sie über den Winter kommen. Seien Sie nicht naiv und freuen Sie sich über den Kontostand Ende September – er ist trügerisch!

Großaufträge können auch in der Glasreinigung gefährlich werden

S: Großaufträge sind so reizvoll – bergen aber große Gefahren. Sie binden viel Kraft und Manpower. Und sie stehlen uns Zeit, uns um unsere alten vielen kleineren Kunden zu kümmern. Und was ist, wenn dieser Großauftrag plötzlich wegfällt? Welche zusätzlichen Kosten kommen dann auf Sie zu?  L: Legen Sie selbst fest, wieviel Prozent Ihres Gesamtvolumens Ihr größter Auftrag haben kann. Liegt er bei 10 Prozent, ist das aus meiner Sicht ok. Liegt er bei 50 Prozent wird es sehr bedenklich.

Plötzlicher Ausfall des Unternehmers in der Glasreinigung – was jetzt?

S: In der Regel sind Sie als Unternehmer fest ins Unternehmen eingebunden. Ohne Sie läuft es nicht wirklich. Aber was ist, wenn Sie plötzlich ausfallen, sei es durch Unfall oder Krankheit? Haben Sie eine Vertretung? Im Normalfall nicht, oder? L: Schon solch eine Situation zu überdenken, hilft. Prüfen Sie einmal, in wieweit Sie Ihre Partner, Ihren Vorarbeiter, oder einen anderen Vertrauten der Familie einbinden können.

Auch die Glasreinigung kann den Unternehmer überfordern

S: Es ist normal, dass der Unternehmer fest in sein Unternehmen eingebunden ist. Aber nicht selten überfordert er sich. Der Spagat zwischen Aufträge hereinholen, Aufträge planen, Personal rekrutieren, Kunden betreuen, vielleicht mitarbeiten/personelle Löcher stopfen, Buchhaltung, Büroarbeit, usw. ist groß. Das kann zu Burnout, totaler Erschöpfung, Kopf im Sand, Vernachlässigung der Rechnungsführung, etc. führen. L: Nehmen Sie sich ab und zu die Zeit und korrigieren Sie Ihren Weg: Vielleicht dadurch, dass Sie einen Minijob im Büro schaffen, Ihre Partnerin mehr einbinden, weniger selbst mitarbeiten, Entspannungszeiten (Urlaub, Wochenende, Sport, Sauna, o.ä.) fest einplanen. Es hilft keinem, wenn Sie umfallen!

Bleiben Sie gesund und haben Sie weiterhin Freude bei der Arbeit.

Karl Wachenfeld – KlarOs®

Mein Gespräch mit einem jungen selbständigen Glasreiniger

Ein junger Mann hat sich telefonisch an mich gewandt, um mit mir über seine aktuelle Situation und den weiteren beruflichen Weg zu sprechen. Welche Erfahrungen konnte ich weiterreichen und welchen Rat konnte ich ihm geben?

  • Wenn man als selbständiger Glasreiniger allein arbeitet, kommt man ganz gut klar.
  • Wenn man Unterstützung durch Kollegen oder durch eigene Mitarbeiter benötigt, ändert sich die Preisstruktur: Sie gehen in die Höhe.
  • Schon bald stößt man fachlich an Grenzen, da der Geräte-, Maschinen- und Fuhrpark nicht alles abdeckt (keine 24-er Leiter, keine wasserführenden Stangen bis 20 Meter, keinen kleinen Transportwagen für die Anlieferung, usw.). Investitionen in kleinen Schritten sind notwendig.
  • Das Leistungsspektrum muss klar definiert sein; soll man alles anbieten oder wirklich nur die Glasreinigung oder sich auf einige spezielle Leistungen konzentrieren? 
  • Der Jungunternehmer sollte sich die Frage stellen, wo er in 5 Jahren stehen will und das an Umsatzzahlen, Anzahl der Mitarbeiter, Gewinnen pro Jahr, Kundenstamm, Leistung, der Unternehmensstruktur und den Arbeitsfeldern mit Verantwortlichkeiten konkret benennen.
  • Mit Investitionen vorsichtig sein und sie Schritt für Schritt an den Möglichkeiten und an der Unternehmenszielsetzung ausrichten.
  • Wächst das Unternehmen, so steigen die organisatorischen Anforderungen. Eigenständiges Arbeiten verlangt vom Selbständigen pro Tag vielleicht 5 Kundenabstimmungen. Arbeitet man zu zwei, sind das schon 10 Termine, die man mit dem Kunden abstimmen muss.
  • Legen Sie frühzeitig fest, wer bei Ihnen die Buchhaltung macht und wer die Rechnungen schreibt? Ein korrekter Zahlenfuchs hilft ungemein.
  • Wächst der Umsatz, reduziert sich der produktive Einsatz des Jungunternehmers in der Glasreinigung. Das verlorene Geld muss von den Mitarbeitern mitverdient werden.
  • Die eigene Webseite beschreibt die Geschäftsidee und hilft, den Kunden zu überzeugen.
  • Kollegiale Kontakte helfen, das eigene Leistungsprofil z.B. durch Kletterer oder Stangeneinsatz zu erweitern.
  • Das Auftreten des Jungunternehmers bei seinen (potentiellen) Kunden hat großes Überzeugungspotential, kann natürlich auch das Gegenteil bewirken.

Viel Erfolg allen jungen Kollegen, die in der Glasreinigung erfolgreich werden wollen!

Karl Wachenfeld – KlarOs®