Nachlese zur Tarifverhandlung in der Gebäudereinigung Herbst 2015

Unser Blog bezieht sich auf die Informationen der IG Bau zu Ihrer Herbstumfrage unter den Gebäudereinigern und auf Daten zum Gleichen Thema des Knittler-Verlags, der unsere Fachzeitschrift `Reinigungsmarkt` herausgibt. 

Ich habe mir nochmals die Veröffentlichung der IG Bau angesehen und bin doch das eine und das andere Mal ins Schmunzeln, aber auch ins Grübeln geraten. Fangen wir von vorne an:

Die IG-Bau hat in diesem Herbst Ihre Mitglieder aus der Gebäudereinigung einen Fragebogen zugesandt und die Antworten ausgewertet. Sicher, um Material für die damals anstehende Tariferhöhung zu haben. Ob das gelungen ist? Machen Sie sich selbst ein Bild.

Bitte berücksichtigen Sie bei der Bewertung der Zahlen, dass nur die Mitglieder der IG Bau befragt wurden und es insofern keine wirklich repräsentative Branchenabfrage ist. Anmerkung: Bei Antwort 1 liegt ein Fehler vor, denn der Anteil der Befragten liegt zusammen bei 105,28%! Ich habe die Antworten ‚ohne Angabe‘ aus dem prozentualen Anteil herausgenommen und nur die Antworten ausgewertet.

Die interessanten Ergebnisse sind für mich:

  • 73,88 % der Beschäftigten haben einen Vertrag mit mehr als 20 Stunden/Woche. 1/3 der Beschäftigten haben einen Vollzeitvertrag.
  • 90,86 % stehen manchmal oder immer unter Zeitdruck. 79,37 % stehen sehr oft oder oft während der Arbeit unter Druck.
  • 29,93 % der Befragten bekommen die Mehrarbeitsstunden nicht bezahlt.
  • 61,56 % kommen gern zur Arbeit.
  • 81,03 % sind nicht häufig krank.
  • Nur 10,55 % der Befragten werden jährlich weitergebildet.
  • 55,51 % der Beschäftigten kommen gern zur Arbeit.
  • Bei 59,58 % der Befragten hat die Zufriedenheit gegenüber dem letzten Jahr  nachgelassen.
  • 78,94 % der Befragten fühlen sich nicht gefördert.
  • 69,19% der Befragten fühlten sich nicht wertgeschätzt.

Meine Rückschlüsse und Bewertungen dieses Zahlenwerks der IG Bau:

  • Der Anteil von Verträgen mit mehr als 20 Stunden/Woche ist für diese Branche mit seinen besonderen Anforderungen (z.B. Kaufhausreinigung u.ä.) überraschend hoch.
  • Es ist heute normal, dass der Zeit- und Arbeitsdruck wächst.
  • Es ist erschreckend, wenn fast 30% der Befragten Ihre Mehrarbeit nicht bezahlt bekommen.
  • Ein hoher Anteil der Befragten (61,56% bzw. 55,51%) kommen gern zur Arbeit/sind mit Ihrer Arbeit zufrieden.
  • Der Krankenstand in der Gebäudereinigerbranche ist nicht außergewöhnlich hoch.
  • Die Weiterbildung liegt mit 10,55% absolut am Boden. Dementsprechend fühlen sich 69,19% nicht gefördert.
  • Fast 70% der Befragten fühlen sich nicht wertgeschätzt.

 

Die letzte Antwort hat es in sich. Es ist auch meine Erfahrung, dass die Arbeit der Glas- und Gebäudereiniger/innen oft nicht genug wertgeschätzt wird. Nicht gesehen wird oft, dass z.B.

 

  • in der Glasreinigung der Großteil der Mitarbeiter den Gesellenbrief in der Tasche haben,
  • die Arbeit oft sehr früh am Morgen, wenn die meisten noch tief schlafen, beginnt und dies eine große Arbeitsdisziplin von den Mitarbeitern abverlangt,
  • hohe Flexibilität von den Mitarbeitern verlangt wird,
  • die Arbeit von vielen Menschen als eine unqualifizierte Tätigkeit gewertet wird,
  • durch eine höhere Bezahlung allein keine Wertschätzung erfolgt,
  • dies ein gesellschaftliches Problem ist und nicht den Unternehmern der Branche allein angelastet werden kann.

Nähere Informationen finden Sie unter http://ymlp.com/zWTWBJ im Reinigungsmarkt, Flash News Nr. 80/2015 vom 16. November 2015 I Auswertung Herbstumfrage IG BAU und die Info der IG Bau unter https://www.igbau.de/Gebaeudereiniger_kaempfen_gegen_den_Leistungsdruck_Mensch_gegen_Minute.html .

Ihre Kommentare gern an info@klaros-GmbH.de

Karl Wachenfeld – KlarOs

Die Geschichte der Glasreinigung – Teil 2

Ein Artikelausschnitt aus der Zeitschrift Clean: www.clean-magazine.com mit Erlaubnis von Unger Deutschland: www.ungerglobal.com

 

Der zweite Weltkrieg brachte den Rückschlag

Mit dem Ausbruch des Krieges wurde der Großteil der männlichen Arbeiter zu den Waffen gerufen – an die Front oder zur Arbeit in Rüstungsunternehmen. Durften im Ersten Weltkrieg noch die Frauen das Geschäft der Männer übernehmen, war es ihnen nun schlichtweg verboten. Zudem herrschte in allen Teilen des Landes eine große Zerstörung. Viele Betriebe konnten sich nicht aufrecht halten.


Nach der Zerstörung der stetige Aufschwung

Nach Kriegsende etablierten sich auch die Berufsorganisationen des Handwerkes erneut. Bereits ein Jahr später wurde der Zentralinnungsverband des Glas- und Gebäudereiniger-Gewerbe gegründet. Bis heute hat sich die Glasreinigung als fester Bestandteil im Gebäudereiniger-Handwerk etabliert.

Weiter geht es beim nächsten Mal mit dem Teil 3.

Ihr Karl Wachenfeld – KlarOs

Die Geschichte der Glasreinigung – Teil 1

Ein Artikelausschnitt aus der Zeitschrift Clean: www.clean-magazine.com mit Erlaubnis von Unger Deutschland: www.ungerglobal.com

 Das gibt‘s seit 9.000 Jahren

Der Werkstoff Glas blickt auf eine neuntausendjährige Geschichte zurück. Aus urzeitlichen Anfängen über Handwerk und Manufaktur hat er den Weg in die industrielle Fertigung gefunden. Mit der kostengünstigen Glasproduktion wurde schließlich auch die gewerbliche Glasreinigung geboren.

Glas ist einer der ältesten Werkstoffe überhaupt. Die Funde reichen zurück bis in die Steinzeit um 7000 v. Chr.

In Ägypten begann etwa vier Jahrtausende später die organisierte Fertigung von Glas in Form von Schmuckstücken und kleinen Gefäßen.

Erst im Jahr 1861 eröffnete der belgische Chemiker Ernest Solvay mit der kostengünstigen Glasproduktion den Baustoff der breiten Bevölkerungsschicht. Schlagartig wurden unzählige Geschäftshäuser, Bahnhöfe, Verwaltungsgebäude und Ministerien mit wuchtigen Fensterfassaden ausgestattet.

Damit waren der gewerblichen Glasreinigung die Weichen gestellt: In Berlin gründete der Franzose Marius Moussy 1878 das französische Reinigungsinstitut. In anderen Städten machten sich ehemalige Mitarbeiter von Moussy selbstständig. 1901 schließlich wurde der Verband der Reinigungs-Instituts-Unternehmer Deutschlands ins Leben gerufen. Der Göttinger Verleger Ernst Kelterborn brachte dazu die erste Fachzeitschrift heraus: das Internationale Centralblatt für Reinigungsinstitute und verwandte Geschäftszweige. Das Gewerbe erlebte einen enormen Wachstumsschwung.

Soweit für heute. Das nächste mal geht es dann mit Teil 2 weiter.

Ihr Karl Wachenfeld – KlarOs