Geschäftsübergabe (01): Unternehmer in der Glasreinigung, 64 Jahre

In den letzten Jahren habe ich mich verstärkt mit der Frage beschäftigt, wie es für mich als Unternehmer eines kleinen Glasreinigungsbetriebs weitergeht.

Die Arbeit macht mir Spaß, bin fit, würde gern noch weiterarbeiten, würde jedoch weniger machen wollen und möchte das Geld, was ich noch verdiene, mehr für meine geliebten Kurzurlaube mit meiner Frau einsetzen wollen.

Doch welche Möglichkeiten hat man in so einem Fall?

  • Soll der Subunternehmer, mit dem ich seit Jahren vertrauensvoll zusammen arbeite, die Firma übernehmen. Könnte ich da vielleicht noch reduziert mitarbeiten?
  • Soll ich das Unternehmen verkaufen? Aber an wen? Wieviel bekommt man dafür? Dann ist aber mit einem Mal Schluss?!
  • Könnte ich mich durch einen Vorarbeiter, der eigenverantwortlich und erfolgsabhängig die Operative (Personalplanung, Mitarbeitereinsatz, Kontrolle, Optimierung, Reklamationsbearbeitung, Stundenerfassung, usw.) übernimmt, entlasten und trotzdem noch das Unternehmen erfolgreich weiterführen?

Ich habe mich für die als letztes vorgestellte Möglichkeit entschieden!

Vorarbeiter für die Glasreinigung gesucht!

Nun suche ich einen Vorarbeiter für die Glasreinigung. Doch das ist auch nicht so einfach, den richtigen zu finden: Er soll genügend Erfahrung haben, schon Mitarbeiter geführt haben, selbst noch mitarbeiten, die Stundeneinteilung selbständig vornehmen, die Leistung kontrollieren, die Mitarbeiter anleiten, Reklamationen selbständig bearbeiten, den Materialeinkauf organisieren, und vieles mehr.

Mal sehen, wie es weitergeht. Ich halte Sie auf dem Laufenden.

Karl Wachenfeld, Gesellschafter und Geschäftsführer von KlarOs®

Ich bin 62 Jahre – wie soll eine Firmenübergabe aussehen?

Als ich 56 Jahre war habe ich gemeinsam mit meiner Frau die Glasreinigungsfirma ‚KlarOs Dienstleistungs-GmbH’ hier in Berlin gegründet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ging es steil bergauf, so dass wir im letzten Jahr einen Umsatz von 230 Tausend € gemacht haben, und das ausschließlich in unserem Spezialgebiet der ‚Glas- und Aufzugreinigung’, ergänzt durch einen Kunden in der Reinraumreinigung.

Heute, mit 62 Jahren, guckt man sich um und stellt fest, dass einige gleichaltrige Bekannte und Freunde kurz vor der Rente/Pensionierung stehen oder zum Teil schon nicht mehr arbeiten – doch wie sieht das bei mir aus?

Ich werde das Unternehmen weiterhin wie bisher bis zu meinem 65sten Lebensjahr intensiv und aktiv voranbringen, doch dann möchte ich einen Schritt zurücktreten und noch ein paar Jahre / solange ich fit bin; meiner Lieblingsbeschäftigung, der strategischen Unternehmensausrichtung, dem Verkauf unserer Leistung,  der Angebotserstellung und der Kundenbetreuung nachgehen. Der operative Unternehmensteil (Arbeitsablauf, Planung, Materialeinsatz, -kontrolle, Stunden-vorgabe, usw.) muss dann komplett ohne mich laufen.

Doch wer soll diese Aufgabe übernehmen? Gibt es in den Reihen meiner Glasreiniger jemanden, dem ich das zutraue? Könnte das vielleicht ein Subunternehmer, mit dem ich schon lange zusammen arbeite, übernehmen? Soll ich mir jemanden Neues ins Unternehmen holen, den ich in den nächsten Jahren für eine Unternehmensübernahme aufbaue? Oder muss ich einen dicken Strich unter meine bisherige Selbständigkeit machen und das Unternehmen verkaufen?

Das Ziel ist klar, der Weg noch nicht – mal sehen, manchmal hilft einem ja der Zufall. Die Suche nach einer Veränderung hat mal wieder begonnen.

Karl Wachenfeld – Berlin

Kleine persönliche Vorstellung

Wenn man schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, kann man über vieles sprechen. An dieser Stelle nur ein paar Eckdaten meines Weges: Ich bin ein Kind der 68er und so habe ich nicht das Baugeschäft meines Vaters in einer Kleinstadt in Nordhessen übernommen sondern in Berlin Germanistik und Geographie studiert. Bei Berlitz-Schools of Languages habe ich mein erstes wichtiges Handwerk gelernt und nach ein paar Jahren die Schule am Kurfürstendamm geleitet.

Da ich schon immer ein unruhiger Geist war, musste ich nach 8 Jahren etwas anderes machen und bin so in die Gebäudereinigung hineingerutscht. In zwei größeren Unternehmen habe ich als leitender Angestellter diese Branche schätzen und lieben gelernt.

Den Schritt in die Selbständigkeit machte ich 2006 zunächst mit der Glasreinigung. Später kam die Aufzugreinigung hinzu. Heute muss ich immer wieder sagen, dass meine Entscheidung für die Selbständigkeit goldrichtig war. Ich wohne mit meiner Familie am südlichen Rand von Berlin im Stadtteil Lichtenrade. Netzwerken war schon immer mein Ding. So habe ich den Verein deutscher Glasreiniger (VdG), das freie Unternehmer-Netzwerk ‚Die Reinigungsspezialisten’ und das Unternehmer-Netzwerk Lichtenrade mit/gegründet.

Mein Motto lautet: Für die Meisten endet der Weg am ersten Hindernis, die Erfolgreichen sehen es als Herausforderung an!

Karl Wachenfeld
Geschäftsführer und Gesellschafter von ‚KlarOs-Dienstleistungs-GmbH’

Berlin, 17.01.2013